Eine Lüftungsreinigung ist mehr als das Saugen ein paar verstaubter Kanäle. Sie ist eine geordnete Maßnahme aus Vorbereitung, mechanischer Reinigung, Komponentenbehandlung und dokumentierter Abnahme. Wer die Schritte kennt, kann das Angebot eines Reinigungsbetriebs sinnvoll beurteilen und im Verlauf erkennen, ob die Arbeit fachgerecht ausgeführt wird. Vorbereitung, mechanische Reinigung, Komponentenbehandlung, Filter- und Befeuchterhygiene und dokumentierte Wiederinbetriebnahme bilden die Phasen der Reinigung.
Vorbereitung, was vor der Reinigung passiert
Eine professionelle Lüftungsreinigung beginnt nicht mit dem Werkzeug, sondern mit der Vorbereitung. Die Reinigungsfirma macht eine Begehung der Anlage, dokumentiert den Ist-Zustand und legt mit dem Betreiber den Umfang der Maßnahme fest. Welche Anlagenabschnitte werden gereinigt? Welche Komponenten werden ausgebaut? Welche Verfahren kommen zum Einsatz? Welche Bereiche müssen während der Reinigung außer Betrieb gehen?
Aus der Vorbereitung ergibt sich auch der Schutzmaßnahmenplan. In bewohnten oder genutzten Gebäuden ist das ein wichtiger Punkt, weil bei der Reinigung freigesetzte Stäube nicht in die Aufenthaltsräume gelangen dürfen. Dazu gehören Abklebungen, mobile Filteranlagen und die zeitliche Koordination mit dem Nutzungsbetrieb. Bei Bürogebäuden wird häufig in den Abend- und Nachtstunden oder am Wochenende gearbeitet, um den Tagesbetrieb nicht zu stören.
Vorbereitungsteil ist auch die Bereitstellung der Wartungsöffnungen. Eine gut geplante Anlage hat alle Wartungsöffnungen, die für eine Komplettreinigung nötig sind. Bei älteren Anlagen müssen oft zusätzliche Öffnungen nachgerüstet werden, was Zeit und Material kostet. Diese Vorarbeiten gehören in das Angebot und sollten transparent ausgewiesen sein.
Mechanische Reinigung im Kanal
Den Kern der Reinigung bildet die mechanische Bearbeitung der Kanäle. Drehende Bürsten oder schlagende Werkzeuge lösen den Schmutz von den Kanalwandungen, ein gerichteter Luftstrom transportiert ihn zu einer Absauganlage, die mit HEPA-Filtern arbeitet. Die Bürsten und Werkzeuge sind in Größe und Material auf den jeweiligen Kanalquerschnitt und die Verschmutzungsart abgestimmt.
Bei runden Kanälen kommen meist rotierende Bürsten zum Einsatz, bei rechteckigen Kanälen breitere Werkzeuge, die alle vier Seiten erreichen. In sehr verschmutzten Anlagen, etwa Küchenabluftanlagen, kommen ergänzend Chemie und Hochdruck zum Einsatz, manchmal auch trockene Verfahren wie das im Trockeneisstrahl-Cluster beschriebene Trockeneisstrahlen. Die Wahl des Verfahrens hängt vom Schmutz und der Materialverträglichkeit der Kanäle ab.
Die Reinigung wird abschnittsweise dokumentiert. Vor und nach jedem Reinigungsschritt werden Bilder gemacht, die den Reinigungserfolg belegen. Bei modernen Anlagen kommen Kamerasonden zum Einsatz, die schwer zugängliche Abschnitte vor und nach der Reinigung filmen. Diese Dokumentation ist Teil der Abnahme und gehört ins Anlagenbuch.
Komponenten ausbauen und separat reinigen
Einige Komponenten lassen sich im eingebauten Zustand nicht hygienisch reinigen. Das gilt für die meisten Filter, für Schalldämpfer mit faseriger Oberfläche, für Tropfenabscheider in Befeuchterkammern und für komplexere Bauteile wie Wärmetauscher mit feiner Lamellengeometrie. Diese Komponenten werden ausgebaut und in einer separaten Reinigungsumgebung behandelt oder ersetzt.
Filter werden in der Regel komplett ersetzt, weil eine zuverlässige Reinigung den Wiederbeschaffungswert meist übersteigt. Bei Schalldämpferkulissen wird je nach Zustand zwischen Reinigung und Austausch entschieden. Wärmetauscher werden in einer eigens dafür eingerichteten Reinigungsstation mit kontrollierten Bedingungen behandelt und anschließend wieder eingebaut.
Tropfenabscheider und Befeuchterkomponenten erfordern besondere Aufmerksamkeit, weil sie hygienisch sensibel sind. Hier wird oft nicht nur mechanisch gereinigt, sondern auch desinfiziert. Anschließende mikrobiologische Nachproben bestätigen den Reinigungserfolg, bevor die Komponenten wieder in Betrieb gehen. Bei Befeuchtern ist die Erneuerung von Verschleißteilen wie Pumpen, Düsen oder Befeuchterwabe Teil der Reinigung.
Filter, Befeuchter, Tropfenabscheider
Filter, Befeuchter und Tropfenabscheider sind die hygienisch heikelsten Komponenten in der Lüftungstechnik und verdienen einen eigenen Abschnitt. Filter werden in definierten Intervallen ersetzt, die je nach Filterklasse und Belastung zwischen wenigen Monaten und einem Jahr liegen. Beim Wechsel werden die alten Filter vorsichtig in den Filterkasten abgenommen, in Säcke verpackt und entsorgt. Die Filterkammer wird gereinigt und desinfiziert, bevor die neuen Filter eingesetzt werden.
Befeuchter sind biologisch sensibel, weil sie dauerhaft mit Wasser arbeiten. Die VDI 6022 in Verbindung mit der VDI 6038 stellt hier strenge Anforderungen an die Hygiene des eingesetzten Wassers, die Beschaffenheit der Befeuchterkomponenten und die regelmäßige Reinigung. Bei Befeuchtern werden Wabe oder Düsen gereinigt oder ersetzt, Pumpen und Leitungen entkalkt und desinfiziert, und mikrobiologische Nachproben bestätigen die Wirksamkeit.
Tropfenabscheider hinter Befeuchtern fangen Wassertröpfchen ab und verhindern, dass Aerosole in den weiteren Anlagenverlauf getragen werden. Sie sind eines der häufigsten Verschmutzungsnester in Lüftungsanlagen, weil dort Feuchtigkeit und Schmutz aufeinandertreffen. Eine sorgfältige Reinigung oder gegebenenfalls der Austausch des Tropfenabscheiders gehört zu jeder größeren Lüftungsreinigung.
Wiederinbetriebnahme und Abnahme
Nach Abschluss der Reinigung erfolgt die Wiederinbetriebnahme nach einem festen Ablauf. Zuerst werden alle ausgebauten Komponenten wieder eingesetzt, alle Wartungsöffnungen geschlossen, alle Abklebungen entfernt. Dann startet die Anlage zunächst in einem Probelauf, in dem die Funktion aller Bauteile geprüft wird. Luftmengen, Temperaturen, Feuchten und Regelreaktionen werden gemessen und mit den Sollwerten verglichen.
Wenn die Funktionsprüfung erfolgreich ist, geht die Anlage in den Normalbetrieb. Bei Anlagen mit Befeuchtern oder bei mikrobiologisch belasteten Anlagen vor der Reinigung folgt nach einigen Tagen Betrieb eine Nachprobe, die die Wirksamkeit der Reinigung mikrobiologisch bestätigt. Erst danach gilt die Reinigung als endgültig abgeschlossen.
Die formelle Abnahme erfolgt durch den Betreiber gemeinsam mit dem Reinigungsbetrieb. Sie wird schriftlich dokumentiert, mit Reinigungsbericht, Vorher-Nachher-Foto-Dokumentation, Funktionsprüfungs-Protokoll und ggf. mikrobiologischem Nachbefund. Diese Unterlagen werden ins Anlagenbuch übernommen und sind die Grundlage für die nächste Inspektion. Eine kompaktere Einordnung aus Eigentümer- und Hausverwaltungs-Sicht findet sich im Ratgeber Lüftungsanlagen reinigen lassen.
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